EU-weites Problem: Chemie in Leitungswasser verursacht Tausende Todesopfer im JahrVeröffentlicht von am 21. Januar 2020


Von deutsch.rt.com

Rund fünf Prozent aller Blasenkrebsfälle innerhalb Europas sind auf Trihalogenmethane im Trinkwasser zurückzuführen, ein Nebenprodukt bei der Desinfektion von Trinkwasser. Dies ergab eine EU-Studie. Eine Lösung ist nicht in Sicht.

Innerhalb der EU erkrankten im Jahr 2016 135.000 Menschen an Blasenkrebs. In der Regel ist diese Krebsart durch einen einfachen chirurgischen Eingriff gut behandelbar, sofern sie frühzeitig diagnostiziert wird. Die meisten Fälle von Blasenkrebs innerhalb der EU treten in Zypern, Malta und Irland auf.

An der Studie, die Trinkwasser auf Trihalogenmethane untersuchte, nahmen 26 EU-Länder teil. Bulgarien und Rumänien wurden nicht berücksichtigt, da es hier an verlässlichen Daten fehlte. Trihalogenmethane (THM) sind ein Nebenprodukt bei der Desinfektion von Trinkwasser oder der Wasseraufbereitung. Wenn Chlor, die Hauptchemikalie zur Desinfektion von Trinkwasser, mit organischen Stoffen wie Schweiß und Urin reagiert, können THM entstehen. Eine erhöhte Aufnahme von THM steigert das Risiko, an Blasenkrebs zu erkranken.

Die EU hat die gesetzliche Grenze von THM auf 100 µg/l festgelegt. Eine Konzentration an THM von 50 µg/l führt – zumindest bei Männern – zu einer Verdoppelung des Risikos für Blasenkrebs. Dies ergab eine Studie des Barcelona Institute for Global Health. In Barcelona liegt der Wert über dem gesetzlichen Höchstwert von 100 µg/l.

Es ist schwierig, einen Bezug zwischen THM-Aufnahme und Blasenkrebs herzustellen, da viele andere Faktoren ebenfalls zu einer Krebserkrankung beitragen. Die statistischen Methoden jedoch, mit denen die Forscher die zuzuordnenden Fälle einschätzen, erlauben zumindest einen ungefähren Überblick. So weisen die Autoren der Studie darauf hin, dass bei einer Senkung der THM-Werte in den dreizehn am schlimmsten betroffenen Ländern 2.868 Fälle von durch Trinkwasser hervorgerufenem Blasenkrebs pro Jahr möglicherweise hätten vermieden werden können.

Die Trinkwasserrichtlinie der EU wird die Studie womöglich nicht beeinflussen. Zunächst müssen die genauen biologischen Zusammenhänge zwischen THM und Blasenkrebs nachgewiesen werden. Auch die Höchstwerte werden bisher nicht angepasst.


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