Wassermangel – Die unterschätzte Gefahr am Lenkrad

Alkohol am Steuer geht gar nicht, das ist klar. Doch wer zu wenig trinkt, kann im Verkehr zur Gefahr für sich und andere werden. Denn „Austrocknung“ verleitet zu ähnlichen Fehlern wie Trunkenheit. 

Quelle: http://www.welt.de/gesundheit/article140150846/Die-unterschaetzte-Gefahr-am-Lenkrad.html

Noch 100 Kilometer bis zur heimischen Einfahrt. Die Sonne brennt, die Wasserflasche ist leer – wenn man überhaupt daran gedacht hat, eine mitzunehmen. Jetzt noch an der Tankstelle etwas zu trinken besorgen? Ach was. Ein typisches Szenario für Pendler und Reisende, das aber ganz schön gefährlich sein kann – und das nicht nur für die Fahrer selbst. Denn schon leichte Unterversorgung mit Flüssigkeit veranlasst Autofahrer dazu, mehr als doppelt so viele Fehler zu machen.

Britische Forscher der Universität Loughborough fanden heraus, dass Fahrer, die nur 25 Milliliter Wasser pro Stunde zu sich nahmen – das entspricht einem kleinen Schluck –, ebenso viele Fahrfehler machten wie solche, die sich trotz Alkohol ans Steuer setzen.

„Zweifellos erhöht das Fahren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss das Unfallrisiko, aber unsere Ergebnisse bringen eine bislang unterschätzte Gefahr ans Licht“, sagte Ron Maughan, Professor für Sporternährung, der Tageszeitung „Daily Telegraph„.

„Wir alle verurteilen es, wenn sich jemand betrunken ans Steuer setzt. Aber in der Regel denken wir gar nicht darüber nach, welche Folgen andere Faktoren auf unsere Fahrtüchtigkeit haben können. Einer davon ist Dehydration.“

„Trockenfahrt“ mit doppelter Fehlerquote

Für die Studie, die in voller Länge in der Fachzeitschrift „Physiology and Behavior“ veröffentlicht wurde, fuhren männliche Testpersonen an zwei verschiedenen Tagen je zwei Stunden lang in einem Fahrsimulator eine monotone Strecke mit mehreren kleineren Herausforderungen wie Kurven, Überholmanövern und Änderungen in der Beschaffenheit der Fahrbahn. An einem der Testtage bekamen die Fahrer stündlich 200 Milliliter Wasser zu trinken, am anderen nur 25 Milliliter.

Für beide Tage wurde ermittelt, wie viele und welche Fahrfehler die Testpersonen machten. Das Ergebnis: Fahrern, die ausreichend viel Wasser getrunken hatten, unterliefen auf der Strecke im Schnitt 47 Fehler wie verzögertes Bremsen oder Überfahren einer durchgezogenen Linie. „Ausgetrocknet“ machten dieselben Fahrer 101 Fehler – mit der höchsten Fehlerquote in den letzten 15 Minuten des Testzeitraums.

„In anderen Worten, Fahrer, die nicht genug getrunken haben, machen genauso viele Fehler wie diejenigen, die über der Promillegrenze sind“, fasste Maughan das Ergebnis seiner Studie zusammen. Er wies darauf hin, dass das Ausmaß der Dehydration in der Studie nur leicht sei. Viele Menschen nähmen im Laufe eines Arbeitstages, an dem sie nicht ständig Zugang zu Getränken hätten, nicht mehr Wasser zu sich als die Testpersonen – manche sogar weniger.

Erschwerte Bedingungen im Sommer

Der Flüssigkeitsmangel führe zu schlechterer Laune, verringerter Konzentration und Aufmerksamkeit, einem verschlechterten Kurzzeitgedächtnis sowie Kopfschmerzen und Müdigkeit – alles Faktoren, die zu einem weniger sicheren Fahrvermögen beitragen. Fahrfehler sind die Ursache von knapp 70 Prozent aller Verkehrsunfälle.

Erschwert würden die Bedingungen im Sommer, wenn das Fahren in heißen Autos zu weiterem Flüssigkeitsverlust führt und wenn Fahrer absichtlich nur wenig trinken, um sich Toilettenpausen zu sparen.

Die Forscher fordern, dass Autofahrer verstärkt ermutigt werden sollten, unterwegs ans Trinken zu denken. Vielleicht sollten sie sich ein Bonmot von Gotthold Ephraim Lessing zur Faustregel machen: „Zu viel kann man wohl trinken, doch nie trinkt man genug.“

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