Von dw.com

Forscher aus den USA und Italien veröffentlichten jetzt in der Fachzeitschrift Environmental Health eine Studie über Veränderungen der Darmflora bei Labororatten, die mit Glyphosat oder dem glyphosathaltigen Pestizid Roundup gefüttert wurden.

Die Forscher gaben den Ratten eine tägliche Dosis von Glyphosat ins Futter, die bezogen auf das Körpergewicht von der US-Umweltbehörde als unbedenklich für den Menschen eingestuft wird.

Damit bestand der Tierversuch lediglich in der Fütterung mit Nahrungsmitteln, die für den menschlichen Verzehr zugelassen wären. Einen besonderen Fokus legten die Forscher auf die Auswirkung von Glyphosat in der frühen Lebensphase. In der Studie bekamen deshalb schon die Rattenmütter entsprechende Mengen von Glyphosat und dann die Rattenwelpen bis 13 Wochen nach der Geburt, was bei Menschen 18 Lebensjahren entspricht.

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Wie reagiert die Politik?

Die Studie wurde inzwischen auch im Europaparlament vorgestellt. Abgeordneter Sven Giegold von der Fraktion der Grünen zeigt sich alarmiert: „Angesichts dieser neuen Erkenntnisse muss die EU-Kommission und die Bundesregierung das Vorsorgeprinzip jetzt endlich ernstnehmen und Glyphosat vom Markt und Acker holen. Deutschland muss dem Vorbild Frankreichs folgen, das innerhalb von drei Jahren Glyphosat-frei sein will,“ sagt er.

EU-Parlmenaterier Peter Liese, Sprecher der konservativen Fraktion  (EVP) im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und von Beruf Arzt, will sich öffentlich zu dem Thema noch nicht äußern. „Leider wird Herr Liese keine Einschäztung geben können. Wir haben bisher von dem Thema noch zu wenig gehört und können die Daten noch nicht einschätzen“, lautet die Antwort aus seinem Büro.

Dem Pharma-, Agrar- und Chemiekonzern Bayer ist der Einfluss von Glyphosat auf den Stoffwechselweg in Pflanzen und Mikroorganismen durchaus bekannt. Bayer weiß auch, dass es das Patent von Monsanto zur Hemmung von Mikroorganismen mit Hilfe von Glyphosat gibt.

Gegenüber der DW zitiert Pressesprecher Utz Klages eine in der Fachzeitschrift Environmental Pollution veröffentlichte Studie, die einen Einfluss von Glyphosat auf die Bakteriengemeinschaft im Darm beschreibt und eine schädigende Wirkung von Glyphost bei Menschen unter bestimmten Umständen nicht ausschließt.

Trotz konkreter und wiederholter Nachfragen über den weiteren Kenntnisstand bei Bayer im Zusammenhang von Glyphosat und Darmbakterien und weiteren Studien, beantwortete Pressesprecher Klages diese Fragen nicht, sondern nur ausweichend. Bezugnehmend auf die antimikrobielle Wirkung von Glyphosat im Monsanto-Patent betonte Klages jedoch, „Glyposat ist kein Antibiotikum im medizinischen Sinn“.

Weitere EU-Zulassung ungewiss 

Glyphosat ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Herbizid in der Landwirtschaft. Nach Einschätzung der internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) ist das Pflanzengift für den Menschen wahrscheinlich krebserregend.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das für die weitere Zulassung von Glyphosat in der EU eine Schlüsselstellung hat, sieht zwar ebenfalls Hinweise auf krebsauslösende Wirkung von Glyphosat bei Menschen, kam aber in seiner Gesamtbewertung bislang zu dem Schluss, „dass bei sach- und bestimmungsgemäßer Anwendung“ keine gesundheitliche Gefährdung zu erwarten seien.

Nach langem hin und her stimmten in einer knappen und umstrittenen Entscheidung die EU-Mitgliedsstaaten Ende 2017 für eine weitere Zulassung des Pflanzengifts um fünf Jahre in der EU.

 

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